Empfehlungen und Buchbesprechungen

Buchbesprechung

Der Eichenprozessionsspinner

Vorkommen-Gefahr-Bekämpfung

W. Rohe, L. Schwarz & D. Ekarius (2020)

Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, 152 S., 50 farbige Abb., 19,95 €, ISNB 978-3-494-01827

 

Dieser heimische Nachtfalter ist nicht nur für Insektenforscher ein Begriff. Diese Zahnspinner-Art neigt, wie auch einige seiner Verwandten, zu Massenvermehrungen. Die Raupe von Thaumetopoea processionea (Linnaeus, 1758) frisst Eichenlaub und wird in der Forstwirtschaft als Schädling eingestuft. Bedingt durch den Klimawandel mit zunehmenden Temperaturen breitet sich diese Schmetterlingsart, wie kürzlich in Thüringen der Schwammspinner Lymantria dispar, in Deutschland immer weiter nach Norden hin aus und besiedelt wärmegetönte Lebensräume, wie Waldränder, Parks, Gärten, Alleen und Friedhöfe. Im Vergleich zum Schwammspinner besitzt der Eichenprozessionsspinner (EPS) aber für den Menschen eine zunehmende medizinische Bedeutung, denn ab dem dritten Larvenstadium werden „Brennhaare“ mit Widerhaken entwickelt, welche allergische Reaktionen nicht nur auf der Haut auslösen können. In dieser reich bebilderten Monografie wird anfangs auf Vorkommen, Verbreitung, Aussehen und Verhalten sowie Systematik des EPS eingegangen. Weiterhin werden die Nahrung der Raupen und Baumschäden erläutert. Ausführlich wird die erfolgreiche natürliche Regulation der EPS-Populationen durch Antagonisten dargestellt (u.a. durch den „Schlaffheits“-Virus, die Puppenräuber, Carabiden der Gattung Calosoma sowie einige Arten der Raupenfliegen, Tachinidae). Auch verschiedene Hautflügler dezimieren die Raupenkalamitäten wirkungsvoll (bis zu 90%), wie Waldameisen, Erz- und Schlupfwespen. Danach folgen Ausführungen zu den Gesundheitsgefahren, Zuständigkeiten und zum rechtlichen Rahmen. Die Hälfte des Inhaltes des Buches ist dem EPS-Management gewidmet. Zuerst werden Präventivmaßnahmen im urbanen Bereich sowie in Land- und Forstwirtschaft dargestellt. Die bisher üblichen Akutmaßnahmen, die Bekämpfung der Raupen und deren Nester, werden ausführlich beschrieben. Kritisch wird von den Autoren das Ausbringen von unspezifischen Insektiziden per Hubschrauber gesehen – wir erinnern uns da an den im Frühjahr 2020 erfolgten Einsatz von MIMIC durch THÜRINGEN-FORST bei der Schwammspinner-Bekämpfung in Thüringen, z.B. im NSG „Röhnberg“ (FFH-Gebiet mit Vorkommen des Hirschkäfers Lucanus cervus). Sehr interessant ist, dass die Autoren ein neuartiges, ungiftiges Verfahren zur Bekämpfung des EPS entwickelt haben. Das verbesserte Heißwasserverfahren (EPS-SOLVE) schont das Ökosystem und erbringt umgehend Erfolge.

 

Ronald Bellstedt, Gotha


Literaturempfehlung

Für kurze Zeit als Nachdruck und über das Naturkundemuseum Erfurt erhältlich: